8kids Bluten Cover

REVIEW: 8kids – Bluten

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Casper gerne Hardcore hört. Auf “Deine Jugend” beispielsweise hat er eine Hommage an die Melodic Hardcore-Band Modern Life Is War angebracht und einige Augenzeugen berichteten auch von seiner Anwesenheit auf der Have Heart-Reunionshow vor einigen Wochen. Da macht es doch nur Sinn, dass auch Hardcore-Kids sich von Casper beeinflussen lassen.

8kids sind eine Post-Hardcore-Band aus dem hessischen Darmstadt. Vor zwei Jahren veröffentlichten sie ihr Debüt-Album “Denen die wir waren”, was ein relativ kurzweiliges Album mit einigen Standout-Tracks war. Jetzt sind die vier Musiker mit einem neuen Album im Gepäck auf der Bildfläche erschienen. “Bluten” heißt das gute Stück, und während es einiges richtig macht – und den bereits vor zwei Jahren angenehm-holzraspligen Sound der Band fortsetzt – so gibt es doch noch einige Holprigkeiten. Das Album startet allerdings zunächst mal sehr stark mit den hymnenhaften Songs “Kraft” und “Wir bleiben Kids”, auf denen insbesondere auffällt, dass die Band sowohl vom Stil der Vocals als auch teilweise vom lyrischen Inhalt sehr stark vom Bielefelder Rapper beeinflusst sind.

Instrumental tut sich die Band über die Breite des Langspielers zwar nicht dauerhaft hervor, hat aber gerade auf der ersten Hälfte des Albums einiges an zwar simplistischen aber nichtsdestoweniger spaßigen Riffs parat. Und auch was die Hooks angeht müssen sich die Darmstädter nicht verstecken, so bleiben insbesondere der Opener “Kraft” und “WTF” mit seiner rotzigen Punk-Attitüde ziemlich gut im Kopf kleben. Die Songs, auf denen die Band sich etwas politischer gibt, namentlich “WTF” und “Dein Zuhause”, sind meiner Meinung nach auch mit die stärksten des Albums, wird hier doch durch den nachdrücklichen Sound eine sehr wichtige Botschaft getragen. Auch die Ode an die Ziellosigkeit “Wir bleiben Kids” ist trotz Swiss-Feature und leicht kitschigem Text sehr gelungen.

Allerdings stolpert die Band im 40minütigen Verlauf des Albums ins besondere im letzten Drittel teilweise über ihre eigene Inhaltslosigkeit. So muss der musikalische “Über den Berg”-Klon “Halt dich fest an mir” von einem sehr generischen Whoa-Oh-Part getragen werden, um eingängig genug zu sein und auch die leichte Obsession mit Stagedives, die in den Texten mehrfach angesprochen werden, sind mehr eine unglückliche Parodie von Scott Vogel als irgendwie emotional engagierend. Konnte man am Beginn des Albums noch ob der Eingängigkeit über den Kitsch-Faktor hinwegsehen, wird dieser gegen Ende leider immer schmerzlicher bewusst. Nach dem noch sehr gelungenen “Spiegelbild” bietet das Album leider nicht mehr viel, woran man sich festhalten kann.

Insgesamt bieten 8kids auf “Bluten” ein anfangs sehr mitreißendes, gegen Ende aber leider eher durchwachsenes Hörerlebnis. Wäre das Album qualitativ dauerhaft so hoch geblieben, wie es die ersten 5-6 Songs versprechen, dann hätte es durchaus für den Platz des besten deutschsprachigen Albums des Jahres mitspielen können. So bleibt “Bluten” allerdings eher ein Geheimtipp mit dem vagen Versprechen auf mehr in der Zukunft.

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