Peach Club Cover

Emarosa – Peach Club

Emarosa gehören im Post-Hardcore-Geschäft mittlerweile zu den alten Hasen. Seit 2007 macht die Band Musik, Bekanntheit erlangten sie allerdings erst mit ihrem ersten vollen Album “Relativity”, auf welchem ihnen Jonny Craig ihre Stimme lieh. Nachdem dieser die Band verlassen hatte, um sein Glück bei Dance Gavin Dance zu suchen, wurde es für einige Jahre still um die Musiker aus Kentucky. Bis sie 2014 mit Bradley Walden am Mikrofon und “Versus” im Rücken zurückkehrten. Walden hatte dabei große Schuhe zu füllen, ist die soulige Stimme von Jonny Craig doch bis dahin eines der Herausstellungsmerkmale der Band gewesen. Nun hat Emarosa das dritte Album mit Walden veröffentlicht und auch musikalisch eine komplett neue Richtung eingeschlagen.


“Peach Club” heißt das gute Stück und bereits bei der Veröffentlichung der Lead-Single “Givin’ Up” war klar: Das ist nicht mehr das Emarosa, das man vorher kannte. Zusätzlich zu den traditionellen Instrumenten gesellte sich hierbei eine Synth-Line, die straight aus den 80ern importiert wurde und ein Saxophon-Solo. Die Gitarren spielen im Verlaufe des Albums dabei eher eine Nebenrolle und sind dabei auch eher simpel gehalten. An den Post-Hardcore-Sound der früheren Werke erinnert insgesamt also nur noch wenig. Viel mehr denkt man dabei an Pop Rock-Bands wie Maroon 5, The Cab oder Foo Fighters. Und das ist laut eigener Aussage auch genau die Nische, die die Band bedienen will.

Der Übergang ist zwar nicht so drastisch wie beispielsweise bei Bring Me The Horizon, die von Deathcore zu Pop übergegangen sind, jedoch ist ein klarer Sprung vom letzten Album, “131”, zu erkennen.

An einigen Stellen geht dieses neue Konzept sehr gut auf, so zum Beispiel auf der bereits angesprochenen Lead-Single “Givin’ Up”, welche gleichzeitig auch als Opener für das Album fungiert. Insgesamt ist das erste Drittel des Albums mit den weiteren Singles “Don’t Cry” und “Cautious” ein sehr starker Einstieg. Insbesondere der letztere Song inkorporiert nicht nur eine sehr gute Synth-Line sondern hat auch eine Hook, die die Stimmqualität Bradley Waldens zum vollends auskostet. Und die ist nicht zu unterschätzen; von der Stimmfarbe her unterscheidet er sich zwar deutlich von Jonny Craig, allerdings wirkt die Musik bereits seit “131” deutlich synergetischer, als sie das noch auf dem s/t-Album tat. Aber allein diese herausragende Gesangs-Performance kann kein ganzes Album tragen. Das zeigt sich besonders stark auf “xo”, welches auf jegliche Instrumentation bis auf die Leadgitarre verzichtet und dabei zweieinhalb Minuten ohne Ziel vor sich hinplätschert. Ganz im Sinne von “The Colour and the Shape” von den Foo Fighters folgt auf “xo” allerdings “Hell Of It”, welches eine zwar lyrisch minimalistische, jedoch nicht weniger wirksame Hook hat und damit eines der Highlights des Albums ist.

Ganz generell schlagen sich Emarosa auf den schnelleren und energetischen Songs deutlich besser, auch weil sie hier etwas mehr mit ihrem Sound experimentieren. Balladen schreiben sie schließlich schon seit knapp zehn Jahren, aber so etwas wie “Givin’ Up”, “So Bad” oder “Hell Of It” ist komplett neues Territorium für die Band und es funktioniert exzellent. Leider sorgt diese Schwäche in den langsamen Teilen dafür, dass das Album ab der Mitte einiges an Dampf verliert. Einen kleinen Lichtblick bietet hier noch “IW2DWY”, welches durch seine Emotionalität besticht, jedoch ist der Closer “Wait, Stay” eher unzufriedenstellend und lässt das Album zu einem allzu abrupten Ende kommen.

Insgesamt ist “Peach Club” jedoch ein durchaus überzeugendes Album und fühlt sich trotz der starken Änderungen am Sound wie eine natürliche Progression an. Zwar zeigt das Album noch einige Schwächen auf, da die Band insbesondere bei den langsameren Songs nicht so experimentierfreudig ist, jedoch ist das Album für jeden, der eine gewisse Schwäche für 80er-Pop hat, jedoch einen modernen Sound auch zu schätzen weiß, nur zu empfehlen.

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