Strength in Numb333rs Cover

Fever 333 – Strength in Numb333rs

Der Künstler hat seine letzte Note gesungen. Er lässt das Mikrofon fallen und geht von der Bühne. Ein Raunen geht durch die Menge. Soll es das schon gewesen sein? Nein, denn nach kürzester Zeit kommt der Künstler zurück auf die Bühne. Ein Fieber kommt.


Als letlive. 2017 bekannt gaben, dass sie weitere musikalische Aktivität aufgeben würden, ging besagtes Raunen durch die Menge. Insbesondere Mit “Fake History” hatte die Band sich in der Szene viele Freunde gemacht, auch wenn bei den folgenden Alben durchaus kritische Stimmen aufkamen. Das wurde allerdings auf Live-Shows durch Jason Butlers energetische Performances mehr als wettgemacht. Nachdem letlive. allerdings ihre Auflösung bekanntgegeben hatten, dauerte es nicht lange, bis Butler mit seinem neuen Projekt FEVER 333 wieder auf der Bühne stand. Im Rücken hat er diesmal Aric Improta, der auch bei Night Verses das Schlagzeug zum Einknicken bringt und Stephen Harrison, der vorher bei The Chariot shreddete. Auf dem Papier ist das ein bombastisches Lineup. Allerdings kann das letztliche Endprodukt nicht ganz zu dem aufleben, wozu die Band theoretisch fähig wäre.

Denn das musikalische Potenzial der Mitglieder wird auf “Strength In Numb333rs” nur zu einem kleinen Teil ausgeschöpft. Man merkt, dass sich Jason Butler austoben konnte, ist die Musik doch von seinen starken Vocals geprägt und vom Ton her deutlich aggressiver, als sie es noch auf den letzten letlive.-Veröffentlichungen war. Insbesondere das Rappen, das sich vorher schon in Ansätzen in Songs wie “Banshee (Ghost Fame”  zeigte, hat Butler allerdings auf dieser Veröffentlichung stark ausgebaut. Die Strophen auf “Strength In Numb333rs” sind größtenteils in einem zur Musik passend aggressiv klingenden Flow abgeliefert und werden dann in den Hooks zumeist durch Clean-Gesang und einen gelegentlichen Shout abgewechselt. Wofür Linkin Park damals noch zwei Leute brauchten, ist bei FEVER 333 jedoch nur Butler am Mikrofon und dieser tut sich mal in den Strophen, mal im Chorus schwer. Ein wahrer Hans Dampf in allen Gassen eben.

Insgesamt wirkt das Gesamtprodukt etwas unfokussiert, auch wenn die Produktion absolut sauber ist – vielleicht sogar etwas zu sauber. Denn die Gitarren halten sich bis auf die Klimaxen der Songs meist ziemlich im Hintergrund und überlassen in den Strophen meist gänzlich Hip-Hop-Beats die Bühne. Und auch die Schlagzeuge kommen den Beats mehr entgegen als diese ihnen. Der Eindruck, dass sich beim Schreiben des Albums sehr stark an Bands wie Linkin Park angelehnt wurde, ist unvermeidlich. Insbesondere der Album-Closer “Coup d’Étalk” würde sich auch auf “Meteorawohlfühlen”.

Die langsameren Songs wirken bis auf “Inglewood/3”, das meiner Meinung nach der stärkste Song des Albums ist, eher wackelig als emotional, was unter anderem auch an den wenig überzeugenden Texten liegt. Hier wird versucht, eine politisch wichtige Botschaft rüberzubringen, allerdings ist das teilweise so dick aufgetragen, dass der Lippenstift eines Make-Up-YouTubers im Vergleich blass wirkt, was der Musik einiges an Eindruck nimmt.

Für eine Band dieses musikalischen Kalibers ist das Endergebnis, das auf “Strength In Numb333rs” geliefert wird, enttäuschend. Alle drei Mitglieder der Band sind unheimlich begabte Musiker, die in ihren jeweiligen Bands entweder durch technisches Vermögen beeindrucken und unheimlich viel Energie mitbringen, was am Ende herausgekommen ist, ist eine 2019-Version der frühen Linkin Park-Alben. Linkin Park hatte aber wenigstens einen DJ.

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