Cover "Bluthen" EP

Frachter – Bluthen

Dafür, dass Punkrock ein ziemlich ausgeschlachtetes Genre ist, gibt es doch überraschend viele Spielarten. Da wäre beispielsweise der Bierzeltpunk, der so geschrieben ist, dass die Bands auch mit drei Promille eine halbwegs überzeugende Performance bringen können und vage politische Motive aufgreift. Dann ist da noch die politische Variante, hinter der tatsächlich einiges an Gedanke steht und der sich beispielsweise für Veganismus einsetzt. Und dann wäre da noch der nachdenkliche, entfernt an Emo angelehnte Punk, der sich hauptsächlich mit, wie es Stefan aus Lammbock sagen würde, “Problemen des Lebens” beschäftigt. Frachter bedienen das letztere Publikum.

Die Vorarbeit wurde hier von Bands wie Marathonmann oder Fjørt geleistet, doch auch wenn der Sound nicht beispiellos ist, gibt es doch noch genug Möglichkeiten, ihn in der Tiefe zu erkunden. Insbesondere im deutschprachigen Raum. Und so kamen die Weimarer letzte Woche ganz nonchalant mit ihrer dritten EP “Bluthen” daher, in denen es thematisch hauptsächlich um die Abgründe des menschlichen Verstandes geht. Doch es ist nicht alles nur schwarzsehen, kommt die Band doch mit einem Humor daher, der, wenn er ein wenig dicker aufgetragen wäre, durchaus für Fremdscham sorgen könnte. Doch hier haben sie mit Songtiteln wie “Ein Drittel Heizöl Zwei Drittel Benzin” oder “Schon wieder so ein trauriges Lied, das wollte ich doch gar nicht schreiben” genau den Punkt getroffen an dem man merkt, dass sie genau wissen, welche Schiene sie bedienen und mit den Merkmalen dieser auf eine gewisse Weise spielen. Getragen wird das ganze von der grundsoliden Performance des Sängers Aaron, dessen Range nicht wirklich heraussticht, der es aber nichtsdestotrotz schafft, die Emotionen, die hinter der Musik stecken, glaubwürdig zu vermitteln.

Instrumental ist “Bluthen” eher Standardware. Es ist am Ende des Tages eben doch immer noch Punk. Aber auf dieser EP reicht das und am Ende geht es doch ohnehin eher um das Gesamtbild, das sich aus der Musik ergibt. In diesem Bereich machen die drei Weimarer alles richtig. Wenn sie ihren Sound in der Zukunft weiter ausarbeiten, dann ist Frachter auf jeden Fall eine Band, auf die man ein Auge haben sollte.

Spread the love

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related

From The Depths Of Dreams Cover

REVIEW: Senses Fail – From The Depths Of Dreams

Als Reviewerin kriege ich nicht oft die Gelegenheit, mich mit Veröffentlichungen auseinanderzusetzen, die bereits eine Weile her sind. Dafür kommt zu viel neue Musik raus, die besprochen werden will. Doch manchmal bringen Bands, die die Spitze ihrer Popularität schon länger überschritten haben, alte Alben nochmal neu raus, um die Nostalgie ihrer Fans anzustacheln. Dazu gehört […]

Spread the love
The Side Effects Cover

REVIEW: Coldrain – The Side Effects

Im Jahr des Herrn 2014 hatte ich ein Ticket für eine Europa-Tour von Bullet For My Valentine. Ich war schon damals kein sonderlich großer Fan der Waliser Band, allerdings waren While She Sleeps als Support angesagt, was ich mir nicht entgehen lassen konnte. Aufgrund von Loz’ erster Stimmband-OP mussten Sleeps allerdings absagen. Als Ersatz wurde […]

Spread the love