Phiilosopher – Young Rose

Während mein Podcast in Sommerpause ist, bin ich natürlich weiterhin auf der Suche nach fresher, neuer Musik. Diese Woche ist allerdings relativ sparsam, was neue Releases angeht, weshalb ich meine Palette ein wenig erweitern musste. Da trifft es sich ganz gut, dass Redfield Records gerade die neue EP des deutschen (aber englischsprachigen) Emo-Rappers Phiilosopher veröffentlicht haben.

Erstmal die Eckdaten, für ein wenig Kontext: Das gute Stück heißt “Young Rose”, wurde am 28. Juni veröffentlicht und ist mit 5 Songs und 15 Minuten Länge bei einer durchschnittlichen Songdauer von drei Minuten. Es handelt sich hierbei um die zweite EP, die Phiilosopher bisher veröffentlicht hat, beide in 2019. Musikalisch macht das Sinn, steckt hier doch deutlich weniger Instrumentalarbeit in dem Werk. Es handelt sich hierbei schließlich um Emo-Rap, eine Spielart, die sich in den letzten Jahren unter verschiedenen Bezeichnungen immer mehr in den Fokus medialer Aufmerksamkeit gerückt ist. Man denke da zurück an die (stark verkürzte) Karriere von Rappern wie Lil Peep, der sich selbst als die moderne Verkörperung von Kurt Cobain gesehen hat. Als Entwicklung als solche hat dieser Stil und Modus des Musikschaffens die “Boybands mit Breakdowns”-Ära der späten ’00er und frühen ’10er-Jahre mittlerweile ziemlich abgelöst. Und hinter den Mainstream-Erfolgen von Künstlern wie Billie Eilish steckt auch immer eine Untergrund-Bewegung, die den Sound vorantreibt.

Man merkt vielleicht, dass ich hier stark versuche, um den heißen Brei herumzureden. Das hat auch guten Grund. Phiilosopher verwendet in seiner Musik zwar hauptsächlich Shouts, hat aber sonst relativ wenig mit alternativer Musik zu tun. Die Beats sind relativ standardmäßige Trap-Beats und inhaltlich sticht relativ wenig heraus, handelt es sich doch letztendlich um depressiven Emo-Rap. Stimmlich erinnert Phiilosopher ein wenig an Joel Quartucchio von Being As An Ocean um die “How We Both Wondrously Perish”-Zeit herum und ich bezweifle auch relativ wenig, dass Phiilosopher mit der Band bekannt ist. Insbesondere die Hook von “I Had Hope” erinnert stark an die amerikanische Melodic Hardcore-Band. Diese ist damit einer der besten Momente der EP, die sonst relativ wenig zu bieten hat.

Heraus sticht auch noch der Feature-Track “Make A Wish”, der mit Lwood aufgenommen hat. Hier komplimentiert der sehr weiche Flow des Feature-Gasts sehr gut die rauhen Shouts von Phiilosopher. Auch der Beat ist gut genug, um positiv aufzufallen. Und, da es sich hier um einen Rap-Release handelt, darf natürlich auch die Nennung des eigenen Namens und der Shoutout an das Label nicht fehlen. Ein wenig unerwartet, ist Redfield doch sonst eher ein Punk-Label – ich habe weder von Marathonmann noch von For I Am King bisher ein Shoutout für ihr Label gehört.

Auf der EP ist noch ein Feature vorhanden – “U”, in Kollaboration mit Drave. Dieses bildet im Kontrast zu “Make A Wish”, eben auch wegen des Features, das Lowlight der EP. Drave rappt zunächst mal auf Deutsch, was die inhaltliche Schwäche der EP nochmal etwas deutlicher macht, und bedient sich abgesehen davon auch stark der Autotune-Magie, die alles irgendwie verzerrt klingen lässt. Dies ist im Rap-Genre nicht wirklich was neues, fällt aber in einer ansonsten sehr clean produzierten EP deutlich negativ auf.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Emo-Rap-Trend auch bis nach Deutschland überschwappt. Erste Zeichen haben wir bereits vor einiger Zeit gesehen, als der vormalige VBT-Teilnehmer Duzoe seine beste Lil Peep-Impression gab. Das heißt allerdings nicht, dass auf dieser Seite des Ozeans mehr Kreativität vorhanden ist. Im Gegenteil, Phiilosopher klingt auf dieser EP eher derivativ als ansprechend.

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