By Night Cover

Plague Vendor – By Night

Manchmal gibt es einfach Veröffentlichungen, die einen komplett unvorbereitet treffen, auch wenn man die Szene sehr aktiv verfolgt. Da denkt man, man kennt so ziemlich das gesamte Roster von Epitaph Records und dann kommt einfach eine Band wie Plague Vendor aus dem Nichts und haut anscheinend bereits das dritte Album raus.

Zugegebenermaßen, die Richtung aus der die Kalifornier kommen ist eine, mit der ich sonst relativ wenig zu tun habe. Bereits in der ersten Minute des Openers “New Comedown” wird gezeigt, was geboten wird: Post-Punk mit leichten Hardcore-Anleihen. Spontan erinnert das an eine Mischung aus Shopping, Twin Atlantic und den Cancer Bats. Während der eben angesprochene Opener allerdings ein ziemlich scharfkantiger Punk-Song ist, nimmt die Band bereits ab dem zweiten Song ein wenig das Tempo raus. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass alles folgende Balladen sind. Stattdessen wird kunstvoll mit elektronischen Elementen und “Snakeskin Boots” enthält sogar einen überraschend gut geflowten Rap-Part.

Es ist ein schwieriger Balanceakt, bei solch experimentierfreudigen Eskapaden nicht das eigentliche Handwerk hinter der Musik zu vergessen. Dieses Kunststück gelingt der Band allerdings geradezu problemlos. Die Gitarrenriffs sind zwar simpel, passen allerdings sehr gut in das akustische Gesamtbild dieses Albums, das insgesamt etwas zurückgenommen wirkt und nur stellenweise – dafür aber umso effektiver – das technische Können der Musiker demonstriert. So ist beispielsweise auf “Nothing’s Wrong” eine Bassline, die zum mitwippen bewegt und die auch erstaunlich deutlich im Mix durchkommt. Das geht in moderner Musik allzu oft verloren.

Mit 30 Minuten hat By Night eine eher knackige Länge, was aber auch dafür sorgt, dass das Album insgesamt ziemlich kurzweilig ist. Die vielen Ideen, die die Band augenscheinlich hat, werden hier genau im richtigen Rahmen eingebaut, das Ganze getragen von den teilweise geshouteten Vocals, die auch gerne mal ins etwas schräg-rotzige abrutschen, was dem Grundton des Albums noch eine gewisse Prägnanz verleiht. An keinem Punkt klingt die Band von sich selbst gelangweilt und kein Part bleibt länger, als er willkommen ist. Von traditionellen Verse-Chorus-Verse-Songstrukturen wird hier auch oftmals abgesehen, die Songs sind allerdings trotzdem größtenteils sehr eingängig und haben auch einige Parts, die im Ohr bleiben, so zum Beispiel die Hook in “Night Sweats”, die auch ein nettes Wortspiel enthält.

Ich bin von dem, was mir hier geboten wird, ehrlich gesagt sehr beeindruckt. Plague Vendor haben hier einen sehr prägnanten Sound geschaffen und zeigen sich gleichzeitig experimentierfreudig. Dazu kommt der gelungene Mix, der jedem Bandmitglied genug Platz einräumt, um seine Ideen einzubringen und auch hörbar zu machen. Plague Vendor ist definitiv ein Name, den man im Auge behalten sollte.

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