From The Depths Of Dreams Cover

REVIEW: Senses Fail – From The Depths Of Dreams

Als Reviewerin kriege ich nicht oft die Gelegenheit, mich mit Veröffentlichungen auseinanderzusetzen, die bereits eine Weile her sind. Dafür kommt zu viel neue Musik raus, die besprochen werden will. Doch manchmal bringen Bands, die die Spitze ihrer Popularität schon länger überschritten haben, alte Alben nochmal neu raus, um die Nostalgie ihrer Fans anzustacheln. Dazu gehört auch die Pop Punk-Band Senses Fail, deren beliebteste Veröffentlichungen ihr Debüt-Album “Let It Enfold You” und die EP “From The Depths Of Dreams” waren.

Diese beiden Alben verkörpern den typischen Pop Punk/Emo-Mischsound der 2000er wie er auch von Bands wie Saves The Day oder Silverstein bekannt ist. Allerdings haben Senses Fail nach “Let It Enfold You” nicht aufgehört, Musik zu machen und auch zu veröffentlichen. Meiner Meinung nach kamen die besten Alben der Band erst nach dem Debüt-Album, darunter das großartige “Still Searching”, ein Abstecher in die Welt des Metalcore mit “Renacer” und das letztes Jahr veröffentlichte “If There Is Light, It Will Find You”, das zwar musikalisch noch nach typischem Senses Fail klingt, textlich allerdings deutlich erwachsener ist. Hier behandelte Sänger Buddy Nielsen – der übrigens das einzige verbleibende Mitglied aus LIEY-Zeiten ist – anstatt typischer Pop Punk-Herzschermerz-Thematik eher die Probleme, die sich einem Mittdreißiger wie ihm stellen, so etwa die Erziehung seiner Tochter oder eben die Nostalgie zu den alten Zeiten in Songs wie “Stay What You Are”.

Da macht es eigentlich Sinn, dass die Band das alte Material nochmal neu aufbereitet. Dabei stellen sich allerdings einige Fragen. Einerseits, ob die Songs auch stolze 16 Jahre nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung immer noch genauso gut klingen. Andererseits, inwiefern die Neuaufnahme den Songs eventuell auch neues Leben einhauchen kann.

Relativ schnell stellt sich dabei heraus, dass Senses Fail zwar textlich mittlerweile deutlich erwachsener geworden sind, vom Sound allerdings noch relativ nah an dem sind, womit sie 2003 bekannt geworden sind. Würden wir hier nur vom Sound reden, wären einige der Songs auf “From The Depths Of Dreams” auch auf aktuellen Releases der Band nicht fehl am Platz. Dabei wurden auf der Neuaufnahme nur einige Shouts ein wenig abgeschwächt (die dafür allerdings deutlich gesünder klingen als sie das damals taten) und die Produktion etwas moderner gestaltet. Es klingt alles ingesamt deutlich klarer, als es das noch auf der ursprünglichen Version tat, aber das war von dieser Veröffentlichung auch nicht anders zu erwarten. Ein bisschen schade ist allerdings, dass der Bass auf den neuen Aufnahmen etwas mehr im Mix untergeht, als noch 2003. So hat zum Beispiel “Steven” im Original noch eine ziemlich durchdringende Bassline, die in der neuen Version ziemlich untergeht.

Textlich merkt man relativ deutlich, dass “From The Depths Of Dreams” nicht vom heutigen Buddy Nielsen geschrieben wurde. Die Motive sind noch um einiges mehr von Teenage-Angst umgeben, Songs wie “Bloody Romance” würde Nielsen so heute wahrscheinlich nicht mehr schreiben, erst recht nicht mit solch graphischen Texten, wie das hier der Fall ist. Das hindert die Songs allerdings wenig daran, trotzdem sehr eingängig zu sein und teilweise geht die Emotionalität auch heute noch sehr gut auf, wie im Opener “Steven”, in dem Nielsen den Verlust des namensgebenden Freundes lamentiert.

Eine kleine Veränderung der Tracklist ist auf der neuen Version auch zu beobachten. So wurde die Akustik-Version von “The Ground Folds” gegen eine Neuaufnahme der Single “Bastard Son” ausgetauscht. Gut so, denn nicht nur war der Akustik-Song nicht wirklich erinnerungswert, sondern “Bastard Son” ist auch noch ein sehr guter Song, wenn auch geplagt von der gleichen pubertären Emotionalität wie die meisten Songs auf der EP. Anzumerken ist hier noch, dass der Text leicht verändert wurde. Bezeichnet sich Nielsen im Original noch als “Bitch”, wird er hier nur noch zum “Joke”. Begründet wurde das dadurch, dass Nielsen seiner vierjährigen Tochter auch mal einen Song seiner Band vorspielen möchte und da diese Art von Sprache einfach nicht mehr in den Song passt. Davon kann man halten, was man will. Die Qualität des Songs wird dadurch allerdings keineswegs beeinträchtigt.

Ich möchte hier nicht unbedingt sagen, dass “From The Depths Of Dreams” auch nach 16 Jahren noch frisch klingt. Die EP ist sowohl musikalisch als auch textlich sehr ein Produkt ihrer Zeit gewesen. Mit dieser neuen Aufnahme hat Senses Fail allerdings den Sound deutlich zeitgemäßer gemacht und die bereits so genießbare EP nochmal ein Stück unterhaltsamer gemacht. Für Fans der Band ist “From The Depths Of Dreams” auf jeden Fall zu empfehlen.

From The Depths Of Dreams Cover

Senses Fail – From The Depths Of Dreams

★★★★★★★ (7/10)

Best Tracks: Steven, Bastard Son, Free Fall Without A Parachute

Spread the love

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related

The Side Effects Cover

REVIEW: Coldrain – The Side Effects

Im Jahr des Herrn 2014 hatte ich ein Ticket für eine Europa-Tour von Bullet For My Valentine. Ich war schon damals kein sonderlich großer Fan der Waliser Band, allerdings waren While She Sleeps als Support angesagt, was ich mir nicht entgehen lassen konnte. Aufgrund von Loz’ erster Stimmband-OP mussten Sleeps allerdings absagen. Als Ersatz wurde […]

Spread the love
8kids Bluten Cover

REVIEW: 8kids – Bluten

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Casper gerne Hardcore hört. Auf “Deine Jugend” beispielsweise hat er eine Hommage an die Melodic Hardcore-Band Modern Life Is War angebracht und einige Augenzeugen berichteten auch von seiner Anwesenheit auf der Have Heart-Reunionshow vor einigen Wochen. Da macht es doch nur Sinn, dass auch Hardcore-Kids sich von Casper […]

Spread the love