Vitja - Thirst Cover

REVIEW: Vitja – Thirst

Vitja ist eine dieser Bands, von denen man schon mal gehört hat, wenn man sich ein wenig mit der deutschen Alternative-Szene beschäftigt. Seit einigen Jahren machen die vier aus dem Ruhrpott Metalcore mit Djent-Einflüssen, mit mittlerem Erfolg. Anfang des Jahres verließ allerdings Sänger David Beule die Band. Daraufhin wurden einige Auftritte abgesagt, ein neuer Sänger gesucht und ein neues Album geschrieben. Das Ergebnis ist “Thirst”, in dem eine andere Richtung als zuvor eingeschlagen wird.

Um ehrlich zu sein: Ich wollte schon vor einigen Wochen – und somit deutlich release-näher – eine Review zu diesem Album schreiben. Da hatte ich allerdings das Problem, dass ich schlicht nicht viel zu sagen hatte. Die Band hat ihren Sound mit dem neuen Sänger Gabriel Spigolon zwar sichtlich umgestellt, jedoch wird musikalisch trotzdem nicht sonderlich viel neuer Grund betreten. Statt djentigem Metalcore wird nun hymnenhafter Post-Hardcore zur Schau gestellt. Der Fokus liegt deutlich mehr auf den Cleans – durchaus zurecht, ist Spigolon am Mikrofon doch offensichtlich sehr kompetent. Seine Stimme ist mal kräftig, mal eher soul-esque zerbrechlich. Insgesamt wirkt das ein wenig wie eine Mischung aus der Jonny Craig-Ära und der Bradley Walden-Ära von Emarosa (“Peach Club” ausgenommen).

Dazu kommen hier und da einige Shouts, die dem ganzen etwas mehr Druck verleihen. Diese werden allerdings eher spärlich eingestreut, was dem allgemeinen Vibe des Albums eher zugute kommt. Wenn dann nämlich mal in einen etwas höheren Gang geschaltet wird, dann merkt man schnell, dass die Band genau das bereits seit Jahren betreibt; sonderlich inspiriert klingt das nicht. Immerhin das Gast-Feature von Carlo Knöpfel (ehemals Breakdown of Sanity) auf “Silver Lining” ist relativ gut integriert.

Das Problem mit dieser Art von hymnenhaftem Post-Hardcore für mich persönlich ist allerdings, dass jeder Song so eingängig angelegt ist, dass am Ende auf Albumlänge nicht sonderlich viel hängenbleibt. Die Musik wird so zu angenehmem Hintergrundrauschen, hat aber nicht genug Herausstellungsmerkmale, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das ist wie ein Cheeseburger von McDonald’s: Ist okay, während man ihn isst und stillt den Hunger, hinterlässt aber außer gelegentlichen Magenschmerzen nicht wirklich einen bleibenden Eindruck. Das war auf vorigen Alben noch anders, allerdings nicht aufgrund der Qualität der Musik, sondern eher wegen musikalischen oder lyrischen Fehltritten (“Six Six Sick”). Immerhin schafft es die Band hier, ein durchweg okayes Album mit einigen soliden Songs abzuliefern. Positiv heraus sticht zum Beispiel die Single “Mistakes”, die einen sehr eingängigen Refrain hat. Auch die hier und da eingestreuten Panic Chords vor Breakdowns halten die Musik milde interessant, wenn sie auch sehr formulaisch verwendet werden.

“Thirst” ist letztlich zwar bei weitem kein schlechtes Album, jedoch macht es auch nicht wirklich irgendwas, um aus der Masse von melodischem Post-Hardcore herauszustechen. Mein Urteil: strictly average.

Vitja – Thirst

★★★★★ (5/10)

Best Tracks: Mistakes, Silver Lining

Spread the love

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related

From The Depths Of Dreams Cover

REVIEW: Senses Fail – From The Depths Of Dreams

Als Reviewerin kriege ich nicht oft die Gelegenheit, mich mit Veröffentlichungen auseinanderzusetzen, die bereits eine Weile her sind. Dafür kommt zu viel neue Musik raus, die besprochen werden will. Doch manchmal bringen Bands, die die Spitze ihrer Popularität schon länger überschritten haben, alte Alben nochmal neu raus, um die Nostalgie ihrer Fans anzustacheln. Dazu gehört […]

Spread the love
The Side Effects Cover

REVIEW: Coldrain – The Side Effects

Im Jahr des Herrn 2014 hatte ich ein Ticket für eine Europa-Tour von Bullet For My Valentine. Ich war schon damals kein sonderlich großer Fan der Waliser Band, allerdings waren While She Sleeps als Support angesagt, was ich mir nicht entgehen lassen konnte. Aufgrund von Loz’ erster Stimmband-OP mussten Sleeps allerdings absagen. Als Ersatz wurde […]

Spread the love